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TradTanzMusik-Videokanal online
13. Februar 2016
22:58
thomas
Mitglied
Forumsbeiträge: 31
Mitglied seit:
27. Februar 2014
Offline

Liebe Musiker,

seit einem halben Jahr gärt bei uns nun schon die Idee eines Videokanals für Tanzmusik aus Quellen des deutschsprachigen Raumes (17.-20. Jh.).
Nun ist es soweit.
Wir haben einen youtube-Kanal mit Namen TradTanzMusik erstellt.
Dazu wurden Videos von verschiedenen Musikern aufgenommen und eine erste Auswahl findet ihr auf:
https://www.youtube.com/channel/UCYDJ525WY7muo-o0HrzwSig

Mit dabei sind:
Matthias Branschke (säckpipa) – Wernigeröder Tanzbüchlein
Ernst Poets (Konzertina) – Tanzsammlung Dahlhoff
Simon Wascher (Drehleier) – Der musikalische Eulenspiegel
Olle Gällmo (säckpipa) – Tanzsammlung Dahlhoff
Vivien Zeller (Geige) – Notenbuch des Heinrich Nicol Philipp
Hermann Haertel j.+ Birgit Ströbitzer (Geige) – Leyrsederin-Handschrift

Wir freuen uns auf rege Nutzung.
Neue Videos werden fortlaufend auf dem Kanal online gestellt werden.

Die Idee von TradTanzMusik ist es, Melodien aus Tanzmusiksammlungen, Spielbüchern von Musikanten und Tanzmeisterheften in einer der möglichen Interpretationen vorzustellen und euch das Lernen der Stücke nach Gehör zu ermöglichen.
Die Musiker stellen eine Melodie vor und am Ende des Videos gibt es immer eine langsame Version zum mitspielen.
Zu jeder Melodie ist die Quelle und nach Möglichkeit auch die Bezugsquelle angegeben, so dass ihr weiter stöbern könnt. Wo eine schöne Melodie zu finden ist, gibt es sicher noch mehr.

Die Einspielungen erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder gar auf eine "historisch korrekte Interpretation".
Wir freuen uns einfach, wenn diese Melodien verbreitet und zu Musik von heute werden. Egal ob in sessions, zum Tanz, als Bandarrangement oder gepfiffen unter der Dusche.

Weitere Quellen, ein umfangreiches Quellenverzeichnis gibt es übrigens unter http://www.tanzmusikarchiv.de.

Viele Grüße
Vivien Zeller und Thomas Behr

25. Februar 2016
15:31
thomas
Mitglied
Forumsbeiträge: 31
Mitglied seit:
27. Februar 2014
Offline

Liebe Musiker,
hier kommt der versprochene Nachschub mit Tanzmusikmelodien auf TradTanzMusik:

1) „Menuet A-Moll“ (Tanzsammlung Dahlhoff I/121):

Das Stück erinnert sehr an das als „33b“ bekannte Menuett aus der Sammlung von Rasmus Storm (Funen, Dänemark, um 1760), was ja lange ein ziemlicher Sessionhit u.a. bei vielen Dudelsack- und Drehleierspielkursen war.
Hier gespielt von Ernst Poets auf Konzertina:

2) Angloise Nr. 12 aus dem Wernigeröder Tanzbüchlein (1786).
Ganz klar eines meiner Lieblingsstücke überhaupt.
Hier gespielt von Vivien Zeller (Geige):

———————————--

Ich hab den Tanzmusik-Videokanal um eine Playlist „Bands-Favoriten“ erweitert.
Hier gibt es Beispiele für in der Melodiesammlung vorgestellte Stücke, wie sie von Bands gespielt werden.
Derzeit findet ihr hier das Trio Gällmo/Branschke/Haertel und die KlangRauschQuadrillenBand mit der o.g. Anglaise:
https://www.youtube.com/playlist?list=PL8T34eFsvHmKFB5AzsGWfM3agWSn0UY3s

Viele Grüße
Thomas

22. März 2016
23:55
thomas
Mitglied
Forumsbeiträge: 31
Mitglied seit:
27. Februar 2014
Offline

… und weiter geht's mit zwei neuen Videos. Heute mit 2xW – Tanzmusik-Handschriften
aus Wittenberg und Wippstetten:

1) Polonaise Nr. 19 Wittenberger Apothekenhandschrift (verm. 18. Jh.)
hier gespielt auf und bearbeitet für Säckpipa von Matthias Branschke:
https://youtu.be/WA5WMYF_azs

Das Stück kommt aus einer Sammlung mit überwiegend Polonaisen,
lt. Archivar der städtischen Sammlungen Wittenberg gefunden in einem
Giftschrank einer Wittenberger Apotheke. Kam dann direkt aus dem Giftschrank
ins Archiv und erklingt jetzt zum ersten mal so richtig öffentlich. Also: absolute Weltpremiere!
Leider ist es bisher nicht gelungen, das Wittenberger Archiv zur Veröffentlichung des
Digitalisats der Handschrift zu bewegen. Darum gibt es am Ende des Videos eine
Abschrift des unbearbeiteten Originals.

2) Danzl Nr.22 (Ana Maria Leyrsederin zu Koplaint Negst Wippstötten Anno 1761)
hier gespielt von Birgit Ströbitzer und Hermann Haertel (Geige):
https://youtu.be/keQifbb_xTc

Niederbayerische Tanzmusik aus der Mitte des 18. Jh. ist hier zu hören.
Und die klingt für meine Berliner Ohren so gar nicht nach dem, was man mit
heutigen Hörgewohnheiten i.d.R. mit dem Begriff Niederbayerische Tanzmusik verbindet.
Und das nicht nur, wegen der merkwürdigen Tonalität vieler Stücke (mit erhöhter
vierter Stufe, also z.B. d# in Stücken in A).

Wie das ganze von der Band F.L.Spifnik mit Geigen, Akkordeon und Bassklarinette klingt,
hört man hier ab 2:35:
https://youtu.be/sFqt8T4XlSk
—————————————--

Im zweiten Teil unserer Videos werden die Stücke wieder langsam zum Lernen gespielt.
Die genauen Quellenangaben und ggf. Bezugsquellen sind im Abspann angegeben.

Viel Spaß beim Hören und Lernen
Thomas

10. April 2016
16:28
thomas
Mitglied
Forumsbeiträge: 31
Mitglied seit:
27. Februar 2014
Offline

Gegen jedes Klischee zu traditioneller Tanzmusik aus dem deutschsprachigen Raum gibt es auf TradTanzMusik bisher überwiegend Stücke im Dreiertakt und überwiegend aus dem 18. Jahrhundert oder früher. Aber doch, ja, es gibt auch anderes als das bisher Gezeigte – nun endlich ist sie da – eine Polka aus dem 19. Jh., quasi als Futter für Klischeehungrige. Naja, das stimmt so natürlich nicht – sie ist einfach schön. Dazu gesellt sich ein zweites Stück im 2/4 mit dem schönen Titel: "Schwarzer Rappen od. Dreimal ging ich ums Haus".

1) No. 55 Polka aus der Harwig-Handschrift (1877)
Die Handschrift wurde in der Altmark gefunden und enthält Stücke, die man eben so in Handschriften dieser Zeit erwartet: Polka, Walzer,
Rheinländer, Galopp, Schottisch, Polka Mazurka, Märsche, auchEccossaisen und Tampeten.
Die Originalnoten sind hier im Tanzmusikarchiv (Stockmann-Nachlass) zu finden.
Wie Vivien Zeller.die spielt, hört man hier:
https://youtu.be/uHLEK_oGbzg

2) "Schwarzer Rappen od. Dreimal ging ich ums Haus" aus dem Tanzbuch aus Arendsee, 1870?
Bei einem solchen Titel liegt die Vermutung nahe, dass das ursprünglich mal ein Lied war. Die Quelle überliefert aber keinen Text hierzu.
Gespielt wird es von Richard Pohl auf der säckpipa in einer leicht bearbeiteten Form:
https://youtu.be/Hg7UxVHWsNY
Eine Abschrift der Originalmelodie ist zum Vergleich am Ende des Videos zu sehen.

Viel Spaß beim Hören und Lernen
Thomas

24. Mai 2017
18:56
thomas
Mitglied
Forumsbeiträge: 31
Mitglied seit:
27. Februar 2014
Offline

TradTanzMusik ist seit meinem letzten post hier ordentlich gewachsen.
43 Videos sind bereits online, die deutliche Mehrheit der Stücke auf TradTanzMusik sind Stücke im 3er-Takt aus dem 18. Jahrhundert. Da die Anziehungskraft solcher Stücke ungebrochen ist, geht es heute auch so weiter.
In den Handschriften v.a. aus dem 18. Jh. finden sich viele Stücke mit der Bezeichnung „Schwabisch“, „Schleifer“ oder „Lustig“ mit recht ähnlichen Melodien. Wie diese Stücke vor 250 Jahren geklungen haben und wie dazu getanzt wurde, weiß man eigentlich nicht so richtig. Einige spärliche Hinweise findet man in Texten über das Tanzen in jener Zeit. So liest man z.B. vom „lustig hüpfenden Schleifer“, vom „reißenden 3/8“, vom Tanz dazu als Liebeswerbung und davon, dass sie ursprünglich durch ein Tanzlied eingeleitet wurden. Aus all dem und mit der eigenen musikalischen und tänzerischen Erfahrung kann man sich jetzt ans Interpretieren machen.
Zu den Beispielen wie das gelingen kann, gesellen sich heute drei Melodien aus dem „Dantz Büchlein Dreyßer“ (datiert 1720), die stark an Schwabisch- und Schleifermelodien erinnern.
Gespielt werden sie von Hermann Haertel und Simon Wascher mit Geige und Drehleier.
Beide haben sich mit einem weiten Blick auf das Spannungsfeld Mazurek-Walzer-Bourrée an die musikalische und tänzerische Interpretation gemacht.

Der musikalische Teil ist hier zu erleben:
Aus dem „Dantz Büchlein Dreyßer“, gespielt von Hermann Haertel (Geige) und Simon Wascher (Drehleier):

Kupffer Schmitt (Nr. 48 in D):
https://youtu.be/MUvvRvf59tk

Schwaben Däntz (Nr. 51 in D):
https://youtu.be/M3nYyga0ncE

Nr. 31 in C:
https://youtu.be/YLO4y_dnyJ0

Den tänzerischen Teil der Interpretation der beiden gibt es beim Klangrauschtreffen (16.6.-18.6.) in Hösseringen beim Workshop „Tanzen zu Melodien nach Art des 'Schwabisch'“.

Viel Spaß beim Spielen, Singen, Hören und Tanzen
Thomas

627

27. September 2017
9:37
thomas
Mitglied
Forumsbeiträge: 31
Mitglied seit:
27. Februar 2014
Offline

Heute gibt es eine Premiere – die erste Nyckelharpa taucht auf unserem
Videokanal auf! Zu hören gibt es ein Tanzlied aus dem Kralschen
Geigenspielbuch, das in der Zeit um etwa 1790 entstand. Der sorbische
Textanfang der über den Originalnoten steht bedeutet etwa "Ach du
niedlicher schöner lieber mein, wie bist du so geschickt", was auch
immer damit gemeint sein mag. Hier erklingt es allerdings ohne Worte.

Also:
Nr. 39 [sorbisches Tanzlied], Kralsches Geigenspielbuch, um 1790
Hier gespielt von Björn Kaidel (Nyckelharpa).
https://youtu.be/JzsQ8566ZNI

Zuletzt gehört habe ich es übrigens vor ein paar Monaten bei einer
Session u.a. mit Musikern der Band Serbska Reja. Und die haben dieses
und etwa 100 weitere Stücke aus ihrem Sessionrepertoire als schönes Buch
mit dem Titel "Łužyske rejowarske. Łužiske rejwarske. Lausitzer
Spielbuch. Lusatian Sessionbook" zusammengefasst. Es enthält überwiegend
Stücke aus Lausitzer Quellen. Hier gibt es weitere Informationen:
https://serbskareja.wordpress.com/notentexte/

Viel Spaß beim Spielen, Singen, Hören und Tanzen
Thomas

776

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