Königsberger Hochzeitstänze 1649 bis 1718 | 1650 - 1750 | Forum

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Königsberger Hochzeitstänze 1649 bis 1718
26. November 2015
1:53
thomas
Mitglied
Forumsbeiträge: 25
Mitglied seit:
27. Februar 2014
Offline

Hiho,
durch Zufall bin ich gerade auf eine Sammlung Königsberger Hochzeitstänze gestoßen.
Der älteste ist für eine Hochzeit von 1649, der jüngste für eine im Jahr 1718.
Überschrieben ist das ganze zwar mit "Hochzeitsgedichte", die Sammlung umfasst aber Stücke die
überwiegend "Braut=Tantz" heißen, manche auch "Braut=Tantz nach Art der Polen" oder "Erster Braut=Tantz"
oder "Ein anderer Reussischer Tantz". Wohl die meisten sind mit Proportio, Serra oder Nach=Tanz.
Nicht alle sind im Violin-Schlüssel notiert. Die meisten sind einstimmig, einige zweistimmig, eines dreistimmig.

Zu jedem Stück steht, wer da wann geheiratet hat (Zeitraum 1649 bis 1718).
Manchmal steht auch Beruf/Stellung des Mannes dabei, was auf bürgerliche Hochzeiten schließen lässt.
Einige Stücke haben einen Textanfang und Simon Dach wird als Dichter erwähnt.

Das ganze gibt es als Abschrift von Nils Dencker von 1931 (der, der auch damals die Dahlhoff-Polonaisen
abgeschrieben hat) im Svenskt visarkiv:
http://fmk.musikverket.se/brow…..ldnr=00001

Gruß
Thomas

26. November 2015
12:43
Kristof
Hildesheim
Mitglied
Forumsbeiträge: 7
Mitglied seit:
10. März 2014
Offline

Interessant!

Ich nehme an, zu der Sammlung gehört alles mit der Nummer MMD 32? Gibt es auch die Möglichkeit, alles zusammen zu sehen, oder geht das nur so Seite für Seite?

Gruß, Kristof
26. November 2015
17:03
thomas
Mitglied
Forumsbeiträge: 25
Mitglied seit:
27. Februar 2014
Offline

Hi Kristof,
beides: nein.
Zu den Königsberger Hochzeitstänzen gehören die Seiten 14 bis 25. Beginnend auf S. 14 links,
oberes Drittel mit dem Wort "Königsberg". Ansehen/runterladen kann man sich das nur seitenweise.

Aber auch die anderen Abschriften in MMD 32 sind interessant:
- Briefe des Abschreibers an seinen Bruder in denen er wohl über die abgeschriebenen Werke erzählt
(leider kann ich aber kein schwedisch)
- mehrere Sammlungen aus der Danziger Stadtbibliothe (ms 4023, ms 4023a, ms 4027),
- noch eine Königsberger Sammlung,
- eine Krakower Sammlung
- Teilabschrift Sammelband aus Annenhof (vollst. in MMD 31, s. Beiträge hier im Forum)
- u.a.

Falls du dir das mal ansiehst, sag mal als historische Musiknoten-Lesekundiger was zu den
Schlüsseln und Vorzeichen:
1. Stück S. 14 links (1649) (Schlüssel: vermutlich C auf der untersten Notenlinie?)
1. Stück S. 14 rechts, 1. Zeile (1653) (das mit 3 x als Vorzeichen und einem merkwürdigen Schlüssel)
1. Stück S. 19 (Schlüssel + Vorzeichen -as/bb/ces/des???)

viele Grüße
Thomas

4. Dezember 2015
1:03
Kristof
Hildesheim
Mitglied
Forumsbeiträge: 7
Mitglied seit:
10. März 2014
Offline

Hi Thomas,

ja, inzwischen habe ich mich etwas in die Noten vertieft und schon entdeckt, dass da mehrere Abschriften hintereinander vorliegen.

Ich konnte die Sammlung als Komplett-PDF bekommen, was die Sache wesentlich einfacher macht.

Was die Schlüsselfrage angeht, funktioniert es in der Regel ganz gut, den Vorzeichen zu vertrauen. Ein einzelnes b ist meist auch ein Bb. Was allerdings diese "as/bb/ces/des"-Stelle angeht, werde ich mir das morgen mal vorspielen oder -singen und versuchen, herauszufinden, was da passiert ist. Ich kann mir zwei Szenarien vorstellen: Eigentlich sollen es Bb-Eb-Ab-Db sein und der Abschreiber hat nur gesagt – komm, 4 b, da weiß ja jeder, wo die eigentlich hingehören. Oder es ist ein Stück tatsächlich mit diesen Vorzeichen (im Stück gibt es ja noch mehr Vorzeichnungen). Da ich selber mir die Freiheit herausnehme, für den hausgebrauch z. B. Säckpipa-Stücke in harmonisch Moll mit f# – c mit Auflösezeichen – g# zu notieren, könnte das ja auch sein.

Ich weiß nicht sicher, wie lange es den Qintenzirkel mit der daraus resultierenden Vorzeichen-Anordnung gibt bzw. er sich durchgesetzt hat. Aber das "Wohltemperierte Klavier" von J.S.B. ist ja abwechselnd in Dur- und paralleler Molltonart sortiert (wenn auch chromatisch).

Gruß, Kristof
17. Januar 2016
0:12
Kristof
Hildesheim
Mitglied
Forumsbeiträge: 7
Mitglied seit:
10. März 2014
Offline

So, und jetzt habe ich mir das noch mal vorgenommen und noch mehr ausprobiert. Es hat mich etwas gewurmt, dass es keinen Sinn ergab.

- 1. Stück S. 19 links mit den komischen Bs:

Schlüssel C auf der E-Linie (also alles eine Terz höher notiert, als es klingt). Und da hatte ich mich beim letzten Mal vertan und alles ergab überhaupt keinen Sinn. Ich musste es mir doch richtig abschreiben, anstatt so halb vom Blatt zu spielen. Die vier B's mit as/bb/ces/des ergeben wirklich keinen Sinn. Mit den "üblichen" 4 Bs Bb, Eb, Ab, Db aber ergibt ein sauberes F-Moll. Mit der (dem?) Serra endet es auch schön mit einem F.

Ich poste mal mein ABC, dann könnt ihr es z. B. mit http://www.mandolintab.net/abc…..verter.php umwandeln:

X:1
T:Braut=Tantz 1705
C:unbek./K\"onigsberger Hochzeitst\"anze
Z:Jan Kristof Schliep
L:1/8
M:C|
K:F min
F3 c A2 G2 | c3 f =e2 c2 | f3 F (BA) (GF) | =E3 F G4 | B3 c A2 G2 | c3 c f2 e2 | =d3 c (=B>G) (cd) | =B3 B c4 :: c3 A d2 c2 | B3 e c2 A2 | B3 (c de) (cB) | B3 B A4 | A3 B c2 Ff | e3 d c2 B2 | c3 f (dc) (BA) | G3 G G4 |]

X:2
T:Serra
L:1/8
M:3/4
K:F min
c c c2 (ec) | B c A2 G2 | A G (FG) (AB) | c =B c4 | c c f2 e2 | d c (Be) (ce) | d c B3 A | A G A4 :: A A c2 f2 | e e =d2 g2 | c (f e=d) (c=d) | =B> B c4 | c c A2 c2 | B A (Gc) (Ac) | B A G3 F | F> =E F4 :|]

- 1. Stück S. 14 links (1649) (Schlüssel: vermutlich C auf der untersten Notenlinie?)

Dieses "Doppelkreuz" als Schlüssel gibt in seiner Mitte das C an. Man könnte es als C-Schlüssel bezeichnen, allerdings eher in einer Steno-Form :-)

- 1. Stück S. 14 rechts, 1. Zeile (1653) (das mit 3 x als Vorzeichen und einem merkwürdigen Schlüssel)

Anscheinend gibt es da nun wieder diese Notierung mit den zwei Fis, wie sie im Dahlhoff viel zu finden ist, also ein Kreuz für das hohe und tiefe Fis. Dieser Schnörksel nach den drei Kreuzen (die eher nach dem Stadtwappen von Amsterdam aussehen) soll wohl ein G-Schlüssel sein. Zweite Zeile und Proportio unter der Numer 1653 sind ja dann mit modernem Violinschlüssel und den zwei üblichen Kreuzen für D-Dur notiert. Da Schrift, Tinte und sonstiges darauf hinweisen, dass alles der selbe geschrieben hat, war Herr Dencker einfach manchmal faul. Wer Notations-Skizzen von mir in ein paar hundert Jahren wiederfindet, könnte vor ähnlichen Rätseln stehen. Na, jetzt nicht mehr, ich habe ein ABC-Programm auf dem Tablet :-D

Gruß, Kristof
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